A-GAIN & A-GAIN: Dein Wegweiser zu nachhaltiger Mode in Berlin

Der digitale A-Gain Guide zeigt, was du aus deiner Kleidung noch alles machen kannst und bringt Second-Hand-Shops, Reparatur- und Up- und Recycling-Möglichkeiten von Kleidungsstücken auf eine Karte.

Autor*in Alina Banse, 15.11.21

Die Preise für Kleidung sind in den letzten Jahren im Verhältnis zur Inflation gesunken und jedes Kleidungsstück wird heute seltener getragen als früher. Europäer verbrauchen beispielsweise im Durchschnitt 26 kg Textilien pro Person und Jahr.
Der Verbrauch und die Produktion von Textilien sind außerdem stark globalisiert. Damit verbunden ist, dass die meisten Belastungen durch den Verbrauch von Bekleidung, Schuhen und Heimtextilien in Europa in den Regionen der Welt auftreten, in denen ein Großteil der Produktion stattfindet, beispielsweise in China, Indien Bangladesch und der Türkei.

Die Umweltbelastungen durch Textilien sind nicht zu unterschätzen. Allein durch die Veredelung und Färbung von Textilien im Herstellungsprozess werden zum Beispiel rund 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung verursacht. Bei der Herstellung von Kleidung und Schuhen entstehen 10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Das ist mehr, als internationale Flüge und die Seeschifffahrt zusammen verursachen. Mehr Kleidungsstücke erfordern auch mehr Waschgänge – und dabei landen viele Schadstoffe in Flüssen und Meeren.

Umweltbelastung durch Textilien Umweltbelastung durch Textilien.

Um die Umwelt- und Klimabelastung durch die Produktion und den Verbrauch von Textilien zu verringern ist ein Systemwechsel hin zur Kreislaufwirtschaft gefragt. Einem Kreislauf, in dem Kleidung weitergenutzt, richtig gespendet, repariert und aus Altem Neues gefertigt wird.

Die miserable Ökobilanz der Fast-Fashion-Industrie und die Auswirkungen unserer Wegwerfgesellschaft haben Arianna Nicoletti, Stefanie Barz und Alessandra-Isabel Hager, die Gründerinnen des A-Gain Guides, dazu gebracht, eine Plattform zu kreieren, welche dem entgegenwirkt. Die drei glauben an eine Zukunft, in der Kleidungsstücke ein möglichst langes Leben führen, weitergetragen oder aufgewertet werden. Mit ihrer Plattform wollen sie optimierte Textil-Kreisläufe, die unsere Umwelt schonen und ein neues und nachhaltiges Werteverständnis fördern.

Sharing is Caring

Auf der Map der Plattform findet man alle bereits registrierten Textilretter. Beispiele dafür sind Second-Hand Shops, Kleider- & Schuhspende Möglichkeiten, Altkleidercontainer, Kleidertausch-Möglichkeiten, Workshops zum Thema Recycling und Upcycling, Flohmarkt und Pop-Up-Events, sowie Reparatur- und Nähcafés. Ebenso gibt es ab März 2022 einen „GUIDE“, der dabei helfen kann, die richtige Lösung für ein aussortiertes Kleidungsstück zu finden. Er liefert individuelle Vorschläge zur Verwertung seiner Kleidung anhand eines Fragebogens. Falls man als Anbieter:in auf der Plattform auftreten möchte, gibt es ein Anmeldeformular zum ausfüllen.

Die Nutzung und Wiederverwendung lokaler Ressourcen, die Stärkung lokaler Netzwerke und Infrastrukturen sowie die Sichtbarmachung involvierter Akteure sind Teil des holistischen Konsumbewusstseins, welche in der werteorientierten Community der Plattform Beachtung findet. Die Plattform zeigt, welches Potenzial in abgenutzter Kleidung stecken kann, durch einen einfachen Weg hin zur Reparatur, Wiederverwendung, Upcycling und zum Recycling.

Der A-Gain-Guide ist aufgebaut wie eine Stadtkarte. Die gesuchte Dienstleistung und den Bezirk kann man in der Filterfunktion einstellen.

Textilretter auf der A-Gain Guide Map finden. Textilretter auf der A-Gain Guide Map finden.

Behörden und Privatunternehmen erkennen zunehmend die potenziellen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vorteile eines Kreislaufsystems. Immer mehr kreislauforientierte Geschäftsmodelle tauchen auf, die sich auf Textildesign, gemeinsame Nutzung, Recycling und Wiederverwendung konzentrieren. Solche Modelle können jedoch nicht isoliert umgesetzt werden, sondern es bedarf einer Veränderung des gesamten Systems – von der Produktion und Verarbeitung bis hin zu Transport, Verbrauch und Abfall. Regulierungen und andere politische Maßnahmen unterstützen dabei. Ebenso spielen Bildung und Verhaltensänderung eine wichtige Rolle bei der Umstellung auf Kreislauftextilien.

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