Die schwedische Hauptstadt Stockholm ist bekannt für ihre vielen Wasserwege. Wenn wir ihre Infrastruktur dabei mit Städten wie Hamburg oder Rotterdam vergleichen, fällt eine Sache auf: Der industrielle Hafen Stockholms liegt etwa 50 km südlich des Stadtkerns. Der Binnenhafen Stockholms könnte also besonders ruhig und sauber sein – wären da nicht dieselbetriebene Personenfähren.
Die Dieselfähren sind dabei die einzigen Fahrzeuge des öffentlichen Personennahverkehrs der Stadt, die auf fossilen Brennstoffen basieren. Das Unternehmen Candela möchte sie daher mit besonders effizienten Elektro-Fähren ersetzen.
Hydrofoiling lässt Candela-Fähre über dem Wasser schweben
Elektroboote erinnern in der Regel an herkömmliche Benzin- und Dieselboote. Der Bug des Schiffes liegt im Wasser und wird von hinten von einem Wasserstrahl- oder Propellerantrieb nach vorne durchs Wasser gedrückt. Bei diesem Design muss der Motor allerdings nicht nur das Gewicht des Schiffes inklusive aller Insassen bewegen. Er muss auch das Wasser vor dem Boot verdrängen, was für zusätzlichen Widerstand und hohe Wellen im Nachstrom sorgt.
Candela setzt bei seinen Fähren daher auf ein Hydrofoiling-Design. Bei diesem befinden sich unter dem Bug Tragflächen und Elektromotoren, die wie kleine Flugzeuge aussehen. Ab einer Geschwindigkeit von ungefähr 20 Kilometern in der Stunde heben diese die Fähre aus dem Wasser ab und reduzieren den Widerstand deutlich.
Die in Zusammenarbeit mit dem Elektroautohersteller Polestar entwickelten Motoren namens „Candela C-Pod“ sind dabei besonders leise und kommen ohne empfindliche Bauteile wie Getriebe oder mechanische Kupplungen aus. Laut Herstellerangaben leisten sie zudem 320 kW, was zusammengerechnet fast 900 PS entspricht. Der genutzte Direktantrieb reduziert zudem Vibrationen und zeigt sich in ersten Tests besonders effizient.
Elektrofähren produzieren 95 Prozent weniger Emissionen trotz höherer Geschwindigkeiten
Ökologisch betrachtet bieten die Elektrofähren einen weiteren Vorteil: Sie stoßen 95 Prozent weniger Emissionen aus als die bisher genutzten Dieselmodelle. Lebenszyklusanalysen des Herstellers Candela zeigen zudem, dass sie auch bei der Herstellung und über die gesamte Nutzungsdauer hinweg einen geringeren CO2-Fußabdruck aufweisen als herkömmliche Boote. Das neueste und bisher größte Modell, die Candela P-12, soll jährlich etwa 1.670 Tonnen an CO2-Äquivalenten einsparen können. Das 12 Meter lange Boot kann dabei 30 Passagiere mitnehmen.
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Auf Testfahrten konnten die Candela-Boote die Strecke „Pendelbåt 89“ zwischen der Stadthalle Stockholms und dem Ort Tappström deutlich schneller als ihre alten Kollegen zurücklegen. Der Grund ist wieder die Hydrofoiling-Technologie, die aufgrund ihres geringeren Wasserwiderstandes eine kleinere Bugwelle produziert. Die Candela P-12 kann daher mit größerer Geschwindigkeit fahren und ist für andere Wasserfahrzeuge sowie für Ökosysteme am Flussrand weniger störend.
Dass die schnelleren, leiseren und komfortableren Fahrten ankommen, zeigten erste Testphasen. Die Hydrofoil-betriebenen Linien wurden bis zu 30 Prozent mehr genutzt.
Nach einer längeren Pause im Winter 2024 nahm das „Nova“ getaufte Modell seinen Betrieb in Stockholm im April 2025 wieder auf. Seither fährt sie an sieben statt früher fünf Tagen in der Woche je 30 Passagiere vom Stadtkern nach Tappström.

