"Teflon Companies"

Tatsächlich spricht man im Englischen von "Teflon Companies", die – wie das gleichnamige Kochgeschirr – davor gefeit scheinen, dass Kritik an ihnen haften bleibt: Unternehmen, deren langfristiges organisatorisches Engagement unter Kennworten wie "Public Affairs Management" oder "Stakeholder Management" zu einem guten Ruf bei Verbrauchern gelangten…
Diese begehrte Eigenschaft verdanken die betreffenden Unternehmen allerdings keinem mysteriösen Bad in Drachenblut, sondern langfristigen organisatorischen Anstrengungen, die unter Kennworten wie "Public Affairs Management" oder "Stakeholder Management" diskutiert werden und eine dritte Welle des Zusammenspiels von transnationalen Unternehmen und NGOs bewirkt haben.
Als typische "Teflon Companies" gelten z. B. große Automobilhersteller wie BMW oder das Möbelhaus IKEA. Das Beispiel IKEA ist besonders erwähnenswert, weil es zweierlei zeigt: Zum einen, dass keine Firma vor der öffentlichen Anklage durch Medien oder NGOs sicher ist, zum anderen, dass es wirksame Reformstrategien gibt, die es erlauben in Kooperation mit NGOs das Wuchern von Missständen in den Zuliefererketten aufzuhalten.
IKEA ist vor etwa 10 Jahren mit einem schwedischen Dokumentarfilm konfrontiert worden, der zeigte, wie an Webstühle gefesselte Kinder in Pakistan Teppiche für das "etwas andere" Möbelhaus in Europa herstellten. Die Firma vermied es daraufhin, Unwissenheit vorzutäuschen, die Aussagen des Films zu bestreiten oder gar die Macher des Films anzugreifen, sondern kündigte den Vertrag mit dem pakistanischen Teppichhersteller. Außerdem begann man damit, in Zusammenarbeit mit der Kinderschutzorganisation "Save the Children" die Lieferanten von Teppichen aus Südasien besser zu kontrollieren. Gleichwohl wiederholten sich solche Vorfälle immer wieder.
Die Manager der Firma sind daher einen Schritt weitergegangen, indem sie die Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) suchten. Als ein Ergebnis dieser Absprache finanziert IKEA seit Sommer 2000 diverse Programme in indischen Dörfern, die es den jüngeren Geschwistern oder Kindern von Teppichknüpfern erlauben sollen, Schulen zu besuchen anstatt ebenfalls arbeiten zu gehen. In Kooperation mit Greenpeace und Global Forest Watch fördert das Unternehmen außerdem ein Programm zur Kartierung von bedrohten Waldgebieten, und auch die aktionslustige deutsche Gruppe Robin Wood konnte schnell beschwichtigt werden, nachdem sie einmal Teakmöbel im Sortiment der Schweden entdeckt hatte: Man verwende nur noch ökologisch zertifiziertes Plantagenholz, versicherte die Firma.
»Teflon Companies«, die mit tatsächlichen Programmen und CSR-
Maßnahmen auf Kritik reagieren, sind abzugrenzen von Unternehmen, die sich und ihren Produkten mittels Greenwashing nur ein verantwortungsbewusstes Image aufbauen wollen, ohne tatsächlich nachhaltig zu sein/arbeiten/produzieren. Sie zeichnen sich nicht nur durch ein funktionierendes Krisenmanagement sondern auch durch Kooperationsbereitschaft mit externen Akteuren aus, die bei der produktiven Umsetzung der Kritik hinzugezogen werden.
Quellen & weiterführende Links:
- IKEA Cares for Kids
- UNICEF's corporate partnerships: IKEA Social Initiative
- ILO ACTRAV - Child Labour - Documentation and Publications: IFBWW-IKEA agreement on rights of workers
- Piore, Adam & Stefan Theil (2001): The Teflon Shield. In: Newsweek, 12.03.2001.
- Rüdiger Jungbluth (2006): Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs. Campus Verlag.
