Das Nachhaltigkeitsprinzip

Nachhaltigkeit heißt die Losung des 21. Jahrhunderts. Die Vokabel durchsetzt Werbetexte für nahezu jedes Produkt - Nahrungsmittel, Kosmetik oder Automobile - mehr oder weniger innovative Konzepte aus Markt und Wirtschaft und die Agendas der Politiker aus aller Welt. Was versteht man unter dem Nachhaltigkeitsprinzip?
Sehr vereinfacht kann man das Nachhaltigkeitsprinzip so formulieren: Nachhaltig zu leben heißt, sich seiner Handlungen und der Konsequenzen dieser Handlungen bewusst zu sein und diese so zu gestalten, dass sie möglichst niemandem schaden. Ein einfacher ökologischer Erklärungsansatz wäre: Nachhaltigs Handeln heißt, den Baum, von dem man nur die Früchte ernten will, nicht zu fällen, sondern nur abzuernten.
Der von der Bundesregierung berufene "Rat für Nachhaltige Entwicklung" fasst die Grundideen für nachhaltiges Handeln mit den Worten zusammen:
"Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben."
Was ist nachhaltige Entwicklung?
"Nachhaltige Entwicklung" ist eine Entwicklung, die nicht auf Kosten kommender Generationen statt findet. Etwas ausführlicher kann man die "Nachhaltige Entwicklung" als ein Leitbild ansehen. Nachhaltig ist eine Entwicklung dann, so der Brundtland-Report
„wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“
Diesem gemeinsamen Leitbild nähern sich verschiedene Akteure aber mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen und Ansätzen. So sind die Ziele, die z.B. in der Agenda 21 verabschiedet wurden, als weltweiter Rahmen anzusehen, den die einzelnen Nationen von der Ebene der Regierung bis hinunter zur Kommunalverwaltung mit eigenen Zielen, Plänen, Maßnahmen und Instrumenten ausgestalten sollen.
In der Präambel der Agenda 21 wird betont, dass eine internationale Zusammarbeit von entscheidender Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung ist:
„Durch eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen und ihre stärkere Beachtung kann es uns jedoch gelingen, die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, einen größeren Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihlichere Zukunft zu gewährleisten. Das vermag keine Nation allein zu erreichen, während es uns gemeinsam gelingen kann: in einer globalen Partnerschaft, die auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist.“
Zur Agenda 21 geht es hier.
Die wichtigsten politischen Akteure auf internationaler Ebene zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung sind
- Vereinten Nationen - United Nations (Organization)
- UN (UNO)
- Europäische Union (EU)
- Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
- Organisation (früher: Konferenz) für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE / KSZE)
- Ostseerat, bestehend aus den Aussenministern der Mitgliedsstaaten, das sind die Ostsee-Anrainerstaaten sowie Norwegen, Island und die EU-Kommission

Wie ist das Prinzip der Nachhaltigkeit in der internationalen Umweltpolitik verankert?
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde erstmals 1713 aufgeschrieben. Jedoch erst seit dem „Erdgipfel“ 1992 in Rio de Janeiro, der größten Gipfelkonferenz des 20. Jahrhunderts, ist nachhaltige Entwicklung (sustainable development) eine Idee, ein Ziel, die/das mehr und mehr Eingang findet in die Köpfe und das Handeln der Menschen, Verwaltungen und Betriebe. Auslöser ist die Erkenntnis, dass es in einer Welt mit so viel Armut und Umweltschäden keine gesunde Gesellschaft oder Wirtschaft geben kann. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung muss ihren Kurs ändern und mehr Rücksicht auf die Belange der Umwelt nehmen. Ziel ist, die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse mit einer qualitativ hochwertigen Umwelt und einer gesunden Wirtschaft für alle Menschen der Erde miteinander in Einklang zu bringen. Dies kann keine Nation für sich allein - vielmehr ist eine weltweite Partnerschaft für eine nachhaltige Entwicklung erforderlich.
Schon vor der Rio-Konferenz hat es verschiedene Schritte eines gemeinsamen internationalen Vorgehens zum Schutz der Umwelt gegeben, wobei die erste weltweite Umweltkonferenz überhaupt, die Stockholmer Konferenz für menschliche Umwelt 1972 der UNO („Umweltschutzkonferenz 1972“), der vorläufige Höhepunkt gewesen ist. Auf Vorschlag der Stockholmer Konferenz wurde im gleichen Jahr (1972) durch die UN-Vollversammlung das UN-Umweltprogramm d (UNEP = U.N. Environment Programme) gegründet.
1983 gründeten die Vereinten Nationen als unabhängige Sachverständigenkommission die Internationale Kommission für Umwelt und Entwicklung (WCED = World Commission on Environment and Development). Diese Kommission veröffentlichte vier Jahre später ihren Zukunftsbericht („Our Common Future“), der auch als Brundtland-Report (nach ihrer Vorsitzenden) bekannt wurde. Auf der Grundlage dieses und weiterer Berichte begannen die Vereinten Nationen im Jahr 1989 mit den Vorbereitungen zu einer neuen Umweltkonferenz, die 1992 in Rio de Janeiro stattfinden sollte.
Vom 3.-14.6.1992 schließlich fand die weltweite Umweltkonferenz in Rio de Janeiro statt. Auf dieser Konferenz, an der rund 10.000 Delegierte teilnahmen, wurden zwei internationale Abkommen, zwei Grundsatzerklärungen und ein Aktionsprogramm für eine weltweite nachhaltige Entwicklung beschlossen.
Seitdem kommt die Staatengemeinschaft jedes Jahr an verschiedenen Orten zu dem Klimagipfel für nachhaltige Entwicklung zusammen. Mehr zur Geschichte und Ergebnissen der bisherigen Gipfel findest Du hier: UN-Umweltkonferenzen
Quellen und Links
- Lexikon der Nachhaltigkeit
- Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex
- Corporate Responsibility
Jenny Louise Becker und Indra Jungblut, RESET-Redaktion (zuletzt aktualisiert: März 2012)
