Was ist Fairer Handel?

Eigentlich in der Produktion aufwändige Lebensmittel werden zu Dumping-Preisen auf den Markt geworfen. Durch diese Preispolitik können viele Menschen in den Billig-Lohn-Ländern von ihrer harten Arbeit kaum Überleben. Eine Lösung aus diesem Teufelskreis bietet der Faire Handel.
Billig, billiger, am billigsten - Supermärkte liefern sich einen Preiskampf, wer die Produkte am günstigsten verkauft. Eigentlich in der Produktion aufwändige Lebensmittel werden zu Dumping-Preisen auf den Markt geworfen. Und klar, wer freut sich nicht, wenn´s die Lieblingsschokolade und den Kaffee schon wieder im Super-Sonderangebot gibt?
Die Läden wollen maximale Gewinne erlangen, die Kunden so wenig wie möglich ausgeben - aber irgendwie geht das nicht auf. Meist geht eine derartige Preispolitik auf Kosten der Schwächsten – den Produzentinnen und Produzenten in weniger entwickelten Ländern. Die Kehrseite der Super-billig-Preise sind schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende Gesundheitsvorsorge, mangelhafte Ernährung und fehlende Arbeiterrechte auf der anderen Seite. Die meisten Menschen in den Billig-Lohn-Ländern können von ihrer harten Arbeit kaum Überleben. Geld, um die Kinder in die Schule zu schicken ist kaum vorhanden! Doch ohne Bildung haben die Kinder keine Chance auf eine lebenswertere Arbeit – womit sich der Teufelskreis der Armut schließt.
Eine Lösung aus diesem Teufelskreis bietet der Faire Handel. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: die Produzenten erhalten faire Preise für gute Arbeit. Dies wird vor allem durch langfristige – und damit für beide Seiten zuverlässige - Handelsbeziehung und direkte Handelswege ermöglicht. Der Kunde erhält qualitativ hochwertige Produkte und leistet einen Beitrag für ein bisschen mehr Gerechtigkeit auf der Welt!
In Deutschland werden mittlerweile Kaffee, Tee, Süßigkeiten, Kakao, Honig, Bananen, Fruchtsaft, Reis, Wein, Sportbälle, Gewürze, Textilien und Blumen mit dem Fairtrade-Siegel angeboten. Erweitert wird die Produktpalette von Fair Handels-Importeuren, die in den etwa 800 Weltläden Deutschlands auch Trockenfrüchte, Gewürze, Getreide, Schmuck, Geschirr, Kunsthandwerk, Musikinstrumente und vieles mehr anbieten.
Fairer Handel in Deutschland

Dass bestimmte Produkte ihren Preis haben, wenn sie zu fairen Bedingungen produziert und gehandelt werden, haben in Deutschland schon viele Verbraucher erkannt: sie kauften mehr faire Produkte als je zuvor. 2009 gaben sie insgesamt 322 Mio. Euro dafür aus. Dies entspricht einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer Verdreifachung innerhalb der letzten 5 Jahre.
Besonders hoch war mit 26 Prozent der Zuwachs bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel. Die Siegelorganisation TransFair gab bekannt, dass 2009 in Deutschland Fairtradegesiegelte Waren im Wert von 267 Mio. Euro verkauft wurden. Dies entspricht einem Anteil von 83 Prozent an allen fair gehandelten Waren.
Für die Fair-Handels-Importeure sind Weltläden mit einem Anteil von 45 Prozent der wichtigste Vertriebsweg. Der Lebensmitteleinzelhandel folgt mit 17 Prozent. Großverbraucher (Gastronomie, Kantinen etc.) liegen bei 10, Bio- und Naturkostläden bei 7 Prozent. 11 Prozent des Umsatzes wurden im Ausland erzielt.

Insgesamt überwiegt der Anteil von Food-Produkten gegenüber Non-Food-Artikeln. Eindeutige Spitzenreiter unter den fair gehandelten Produkten sind Kaffee und Fruchtsäfte.
Mehr Zahlen und Fakten zum Fairen Handel finden sich auf den Seiten des Forum Fairer Handel.
Der Weltmarkt macht die Preise
Was als "Freier Markt" bezeichnet wird, ist eigentlich ein System mit starken Regelungen für Ein- und Ausfuhrzölle, Agrarsubventionen und Steuern auf Seiten der Industrieländer, dass dafür sorgt, dass ihre Stellung auf dem Weltmarkt ungleich besser ist als die der Entwicklungsländer. Deren Handelsbeziehungen werden auf diese Weise vom Marktgeschehen in den Industrieländern diktiert.
Für viele Rohwaren wie z.B. Kaffee, Kakao und Zucker wird ein Weltmarktpreis an den Börsen ausgehandelt, der dann weltweit gilt. Der Preis setzt sich aus Angebot und Nachfrage sowie Spekulationen über zukünftige Geschäfte zusammen. Die Produzentengruppen haben auf dieses System keinen Einfluss. Diese Preise ändern sich jedoch ständig - die Produzenten der Rohwaren mit ihren schwankenden Preisen haben kein verlässliches Einkommen.
Neben den niedrigen Rohwarenpreisen führt die Überproduktion - wenn das Angebot schneller steigt als die Nachfrage - zu fallenden Preisen und damit zu einer Verarmung der Produzenten.
Dazu kommt, dass die meisten Produzenten ihre Ware an Zwischenhändler verkaufen, da sie keine direkten Handelsbeziehungen besitzen. Diese zahlen jedoch selten angemessene Preise, da auch sie an dem Handel verdienen wollen.
All dies führt dazu, dass die Bauern zu Preisen verkaufen müssen, die oftmals nicht einmal die Produktionskosten decken. Armut trotz Arbeit - das ist das Schicksal vieler Menschen, die in armen Ländern in der Landwirtschaft tätig sind.
Mehr über die Funktionsweisen des Weltmarkts erfährst Du in dem Beitrag Agrarhandel und schau Dir das Video an:
Wie funktioniert Fairer Handel?
Der Faire Handel findet zwischen Kleinproduzenten und Arbeitern des Südens und den Importeuren statt, die zu fairen Bedingungen kaufen. Vom Fairen Handel gefördert werden nur Produzentengruppen und Plantagenarbeiter. Diese erhalten für ihre Produkte garantierte Mindestpreise, die ihre Produktions als auch die Lebensunterhaltskosten decken. Dazu kommt ein Aufschlag, der für Gemeinschaftprojekte verwendet werden darf, wie z.B. den Ausbau der Infrastruktur, und der damit eine Investition in die Zukunft bedeutet.
Dazu ein Beispiel:
Eine Kaffeekooperative in Peru erhielt 2002 für den Zentner Arábico rund 47 US-Dollar auf dem Weltmarkt. Nach Abzug der Kosten für Sortierung, Verpackung, Transport blieben rund 30 US-Dollar übrig. Die Produktionskosten lagen jedoch bei rund 80 US-Dollar. Durch den Fairen Handel bekommt die Kooperative mindestens 126 US-Dollar pro Zentner. Ein Einkommen, das den Lebensunterhalt der Familien sicherstellt und notwendige Investitionen im sozialen und ökonomischen Bereich (z. B. ein neues Lagerhaus) ermöglicht. (Quelle: oeko-fair.de)
Im weltweiten Fairen Handel kaufen Importeure Rohware oder Produkte zu fairen Preisen ein und verkaufen sie weiter an Verarbeiter oder an den Handel. Die Importeure und Verarbeiter werden auf internationaler Ebene von der Fairtrade Labelling Organization (FLO) sowie den nationalen Siegelinitiativen kontrolliert. Faire Handels-Importorganisationen in Deutschland sind z.B. GEPA - The Fair Trade Company, EL PUENTE, dwp und BanaFair. Fair-Handels-Importeure verkaufen neben Fairtrade-gesiegelten Produkten auch andere fair gehandelte Produkte ohne Siegel. Für diese Produkte gibt es keine internationalen Produktstandards und ohne diese können sie auch kein Fairtrade-Siegel tragen. Diese Produkte findest Du vor allem in den Weltläden.
Neben den großen Fair-Handels-Importeuren, die in der World Fair Trade Organization (WFTO) organisiert sind, gibt es viele kleinere Importorganisationen, die oft nur Kontakte zu einer einzigen Produzentengruppe haben.
Bei dem Fairen Handel mit dem Fairtrade-Siegel gelten Mindestpreise, die von der Fairtrade Labelling Organization (FLO) in Absprache mit den Produzenten und den nationalen Mitgliedsorganisationen festgesetzt werden. Auf diese Weise sorgt die FLO für weltweite faire Handelskriterien und Standards. Diese sind unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen. Auf jeden Fall erhalten die Produzentengruppen durch den Fairen Handel immer bessere Preise als auf dem konventionellen Markt.
Die Siegelorganisation TransFair vergibt auf Grundlage der von FLO gesetzten Standards das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte. Der Vertrieb der fair gehandelten Waren erfolgt über Weltläden, Supermärkte und Online-Shops.
Der Faire Handel ist somit von hauptsächlich drei Dachorganisationen organisiert: der bereits erwähnten FLO, der World Fair Trade Organization (WFTO, ehemals IFAT, hat die Aufgaben der NEWS mit übernommen), die sich für die Verbesserung der Marktchancen, die politische Einflussnahme im Welthandel und die Sicherung der Glaubwürdigkeit von Fair-Handels-Organisationen einsetzt und der European Fair Trade Association (EFTA), deren Hauptziel die Harmonisierung und Koordination von Fair Handels-Aktivitäten ist, um den Fairen Handel effizienter zu machen.
Kriterien für den Fairen Handel

Für jedes Fairtrade-gesiegelte Produkt gibt es spezielle Fairhandelskriterien. Die wichtigsten allgemeinen Standards sind
- der direkte Handel mit den Produzentengruppen ohne die Einbeziehung von Zwischenhändlern,
- die Zahlung von Mindestpreisen, die über dem Weltmarktniveau liegen,
- die Zahlung eines Mehrpreises für Entwicklungsmaßnahmen,
- die Bereitstellung von Vorfinanzierungsmöglichkeiten sowie die
- langfristigen Handelsbeziehungen.
Damit soll eine Soziale und wirtschaftliche Entwicklung, eine Umweltentwicklung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen erreicht werden.
Dazu kommt, dass der Faire Handel heute umweltverträglichen Produktionsweisen eine immer wichtigere Bedeutung zuspricht. Nur so kann eine nachhaltigen Entwicklung für Mensch und Natur entstehen. Die ökologische Mindeststandards sind:
- Schutz der Wasserressourcen
- Beschränkter Einsatz von Pestiziden
- Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
- Verbot von gentechnischer Veränderungen
- Abfallmanagement
Mehr zu den Kriterien findest Du hier.
Was bisher erreicht wurde

Im Norden: Der Faire Handel ist in den vergangenen zehn Jahren aus seinem "Nischendasein" heraus und in die Supermarktregale hinein gelangt. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel werden in 27.000 Supermarkt-Filialen und 800 Weltläden angeboten. Die Umsätze für Fair-Trade Produkte steigen jährlich. 65 Prozent der Waren enthalten neben dem Fairtrade-Siegel auch ein Biolabel - Tendenz steigend.
Im Süden: Immer mehr Produzentengruppen ermöglicht der Faire Handel verbesserte Lebensbedingungen und wirtschaftliche Sicherheit. Weltweit stieg die Zahl der Kleinbauernkooperativen und Plantagen, die unter dem Standard des Fairtrade-Siegels arbeiten, auf über 800 an, allein dort arbeiten mehr als 1 Millionen Kleinbauern und Arbeiter. Zusammen mit ihren Familien sind das rund sechs Millionen Menschen, die durch Fairtrade ihre Lebens- und Arbeitssituation verbessern können. Außerdem wird in ihre Zukunft investiert. Gelder aus dem Fairen Handel werden verwendet für Bildungs- und Sozialprogramme, Maßnahmen zur Frauenförderung, Qualitätsverbesserungen in der Produktion, die Umstellung auf den organischen Anbau und Kleinkreditprogramme.
Kampagnen

Auch wenn mittlerweile sehr viele Produkte aus fairem Handel angeboten werden, so gibt es immer noch viele Bereiche, die von diesem Prinzip nahezu unberührt geblieben sind, wie z.B die gesamte Elektro- und IT-Industrie. Gerade dieser Bereich macht nicht durch gute Löhne und faire Arbeitsverhältnisse von sich reden. Es gibt noch viel zu tun!
fair4you - Deine Seite zu Fairem Handel und kritischem Konsum ist eine Kampagne, die sich vor allem an junge Menschen richtet. Auf der Seite findest Du aktuelle News, Musik- und Literaturtipps, Fair Fashion, verschiedene Rubriken und ein Lexikon rund um den Fairen Handel.
Kampagne für 'Saubere' Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC): Die CCC ist ein Netzwerk, in dem über 300 Gewerkschaften und NRO, Verbraucherorganisationen, kirchliche Gruppen, Eine-Welt-Läden, Recherche-Institutionen und Frauenrechtsorganisationen zusammenarbeiten. Es existiert eine enge Kooperation mit Partnerorganisationen in Entwicklungsländern und Ländern im Umbruch. Ziel der CCC ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungs- und Sportartikelindustrie. Hierzu werden Endverbraucher informiert, wird mit Unternehmen verhandelt, werden Organisationen der ArbeiterInnen unterstützt und öffentliche Kampagnen durchgeführt.
MakeITfair ist ein europäisches Projekt zur Unternehmensverantwortung in der Informationstechnologie (IT). Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland, den Niederlanden, Finnland, Schweden, Polen sowie aus dem Kongo, Indien und China arbeiten darin zusammen. Ziel ist es vor allem, Jugendliche und junge Erwachsene auf Probleme der IT-Industrie aufmerksam zu machen. Dabei stehen Produkte wie Handys, Laptops, Computer, iPods und MP3 Player im Zentrum des Projektes.
Die Initiative ProcureITfair setzt bei den Universitäten an, da jeder fünfte Computer von öffentlichen Einrichtungen gekauft wird. Indem sie ihre enorme Marktmacht nutzen und beim Einkauf soziale Kriterien berücksichtigen können öffentliche Einrichtungen wie z.B. Universitäten dazu beitragen, die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Unterschriften werden an Universitäten in ganz Europa übergeben, wenn mehr als 10.000 Unterstützer gesammelt wurden.
Wo Du fair einkaufen kannst erfährst du hier: Fair Kaufen
Indra Jungblut/ RESET-Redaktion

