Umweltproblem: Mobiltelefon

Inzwischen hat fast jeder in Deutschland ein Mobiltelefon zur Verfügung. Und die Verlockung ist groß, sich regelmäßig das neueste Modell zu besorgen, weil dies noch ein paar Funktionen mehr hat oder einfach die Optik gefällt. Aber wer macht sich bei einem Neukauf schon Gedanken darüber, aus welchen Bestandteilen sich das Gerät zusammensetzt und welche ökologischen und sozialen Probleme durch jeden Kauf verursacht werden?
Unser Konsum an Mobiltelefonen hat weitreichende Folgen für Mensch, Tier und Natur. Doch liegt die Verantwortung hier nicht nur bei den Herstellern, sondern auch beim Endverbraucher, der über sein Konsumverhalten den Produktzyklus beeinflusst.
Coltan-Abbau und die Folgen für Mensch und Natur
Für die Produktion von Mobiltelefonen wird unter anderem das seltene Metall Tantal verwendet, da es sich zur Herstellung leistungsfähiger Kondensatoren bestens eignet. Die Funktion dieser Bauteile besteht in der Speicherung elektrischer Ladungen. Gewonnen werden kann Tantal aus dem Erz Coltan, welches zu einem erheblichen Teil in Zentralafrika, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo (DRC), abgebaut wird. Auch die Firma H.C. Starck, die im Februar 2007 von Bayer an Advent International und die Carlyle Group verkauft wurde, war maßgeblich an diesem Handel beteiligt.
Die starke Nachfrage nach diesem Rohstoff ist eine der entscheidenden Ursachen für den Kongokonflikt, der auch nach dem offiziellen Kriegsende 2008 in der Region Kivu weitergeführt wird. Die Geldmittel aus dem Bergbau finanzieren die Kombattanten und deren Waffen und begünstigen so die Fortführung der kriegerischen Auseinandersetzungen, die bereits mehr als 5 Millionen Opfer gefordert haben. Zu den Kriegsfolgen kommen die inhumanen Arbeitsbedingungen, mit denen die Minenarbeiter nicht nur im Kongo konfrontiert sind: Der überwiegende Anteil der mineralischen Rohstoffe stammt aus Abbausstellen, in denen die Förderung durch bloße Handarbeit erfolgt. Der Mineralstaub belastet die Lungen der Arbeiter dabei erheblich und unzureichende Absicherungen der Minen haben immer wieder Erdrutsche mit teils tödlichem Ausgang zur Folge. Kinder sind bei diesen Bedingungen ebenfalls tätig und versuchen so, ihre Familien mit zu versorgen.
Durch den stark ausgeweiteten und kaum kontrollierten Bergbau in der Demokratischen Republik Kongo während des Coltan-Booms um das Jahr 2000 hat auch die natürliche Umwelt in der Region gelitten. Etliche Minen liegen im Kahuzi-Biega-Nationalpark, in dem einige der letzten Gorillas beheimatet sind. Deren Lebensraum wurde durch Abholzung für neue Abbaustätten schrittweise weiter zerstört. Zudem werden die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen wegen ihres begehrten Fleisches gejagt.
Aktuelle Entwicklung
Nachdem die Problematik im Kongo maßgeblich durch die Vereinten Nationen öffentlich gemacht wurde, hat sich der Handel teilweise auf andere Förderländer verschoben. Doch distanzieren sich weltweit nicht alle Firmen, die Coltan nachfragen, von kongolesischem Material. Ein Herkunftsnachweis des Erzes ist zwar prinzipiell möglich, aber praktisch schwer umzusetzen. Weil die Tantal-Vorkommen ohnehin allmählich knapp werden, sucht die Industrie nach geeigneten Alternativen. Das Metall Niob ist hier einer der Hauptkandidaten. Dabei bleibt aber auch bei einer geographischen Schwerpunktverschiebung hinsichtlich der Lagerstätten und Herkunftsländer die Abbau- und Umweltproblematik grundsätzlich bestehen. Die angesprochenen Effekte der Rohstoffgewinnung im Dienste die Elektroindustrie sind nur beispielhaft für eine ganze Palette an Materialien, die hier Verwendung finden und für die sozialen sowie ökologischen Folgen, welche damit einhergehen.
Um unter aktuellen Bedingungen wenigstens das Maximale aus dem alten Handy herauszuholen empfiehlt RESET, das Handy bei entsprechenden Stellen abzugeben oder einzuschicken. Dadurch werden Handys entweder repariert und weiterverwendet oder die darin enthaltenen Rohstoffe wiedergewonnen. Mehr zur Verwertung gebrauchter Mobiltelefone hier.
Quellen & weiterführende Links

- Bitala, M. (2003, 16. Juni). Coltan-Embargo: „Kein Blut auf meinem Handy“. Süddeutsche Zeitung.
- Enough (n.d.) Eastern Congo.
- Global Witness (2009, 18. August). Bisie killings show minerals at heart of Congo conflict [Press Release].
- Johnson, D. (2009, Juli). Minerals and conflict in eastern DRC.
- Johnson, D. (2008, 28. November). Mineralienhandel im Kongo: Coltan kehrt auf Weltmarkt zurück. taz.
- Koesch, S., Magdanz, F., & Stadler, R. (2008, 27. April). Rohstoff-Abbau: Handys bedrohen Gorilla-Bestand. Spiegel Online.
- Redmond, I. (2001, Mai). Coltan boom, gorilla bust: The impact of coltan mining on gorillas and other wildlife in eastern DR Congo. (pdf)
- Schlager, E. (2009, 25. April). Kriegsursache Coltan: Hintergründe des Kongokriegs. scinexx.
Frank Wichert I RESET-Redaktion


