Spenden

Wer sich um seinen Nächsten sorgt, lebt glücklicher. In dieser Phrase steckt offenbar mehr Wahrheit als viele denken. Spenden, Freiwilligenarbeit und Nachbarschaftshilfe kann das Leben bereichern und das Wohlempfinden verbessern. Vor allem aber können durch Sach- Zeit- oder Geldspenden Projekte umgesetzt werden, die Menschen und Natur helfen. Doch was ist Spenden genau und wer spendet wem wie viel?
Geben macht glücklich!
Die internationale Studie des "World Giving Index" kommt zu dem Ergebnis: Wo die Hilfe für den anderen einen hohen Stellenwert hat, da fühlen sich die Menschen insgesamt besser. Geben scheint zu allermeist eher ein emotionaler als ein rationaler Antrieb zu sein. Hier findest Du die Infografik als pdf.
Und was genau heißt Spenden?
Spenden meint einen Transfer von Geld, Sachen und Leistungen für gemeinwohlorientierte Zwecke. Wichtige Aspekte dabei sind, dass dies freiwillig geschieht und keine gleichwertige materielle Gegenleistung erwartet wird. Spenden gehen heute meist nicht mehr direkt an die Bedürftigen, sondern an gemeinnützige oder kirchliche Organisationen, die sie für spätere Hilfsaktionen oder Unterstützung allgemein einsetzen.
Die Welt hilft Fremden
Es besteht eine große Vielfalt, wie in den verschiedenen Ländern gegeben wird, jedes Land hat seinen eigenen Footprint; das ist ein weiteres Ergebnis des WorldGivingIndex 2010. Der Anteil der Bevölkerung, der Geld für Charity spendet, reicht von 4% in Litauen bis zu 83 % in Malta, Freiwilligenarbeit von 2% in Kambodscha bis zu 61% in Türkmenistan. Und in Liberia z.B. geben nur 8% der Bevölkerung Geld für karitative Zwecke aus, aber 76% helfen Fremden jeden Monat. Die größten "Geberländer" in allen Bereichen sind Australien und Neuseeland.
Alles in allem haben 20% der Weltbevölkerung im Monat vor der Befragung Freiwilligenarbeit geleistet, 30% haben Geld gespendet und 45% haben im Monat der Datenerhebung einem Fremden geholfen. Allerdings lässt sich vermuten, dass Letzteres sehr unterschiedliches meint – unter einem Fremden verstehen die Menschen verschiedenes.
Wenn Du mehr über das Spendenverhalten weltweit wissen möchtest, kannst Du hier die Ergebnisse der Studie als pdf downloaden.
Das Land mit der größten Spendentradition sind die USA. Hier werden pro Jahr knapp 250 Mrd. Dollar gespendet. Das sind pro Einwohner etwa 860 Dollar, wobei fast ein Drittel der gesamten Spenden von Unternehmen kommt. Ein großer Teil der Gelder fließt in die Bildung und medizinische Forschung. Etwa zehn Prozent fließen in die Armutslinderung.
Der größte Empfänger von Spenden ist der afrikanische Kontinent, doch ist die Nachhaltigkeit der Spenden oft nicht gegeben, da die Regierungen vieler afrikanischer Länder ihr Budget für die einzelnen Haushalte (Bildung, Verkehr, Gesundheit, Wasserversorgung etc.) auch in dem Maße kürzen, wie sich die Spendenvolumen aus dem Ausland vorher abschätzen lassen. Selbstbedienung der Politiker und Verwaltung (Versickerung), hohe Rüstungsausgaben und Prestigeprojekte ohne wirtschaftlichen Nutzen stehen zudem an der Tagesordnung. Siehe dazu auch den Artikel Korruption.
Spendensituation in Deutschland
Definitive Zahlen über das Spendenvolumen in Deutschland gibt es nicht. Das hat einerseits mit der Definition zu tun, was mit eingerechnet wird und was nicht – so könnten sich z.B. auch die Kirchensteuern mit einrechnen lassen, da sie genau genommen Spenden sind. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) schätzt diesen Betrag auf etwa zwei Milliarden € jährlich (2008: 2.162, 2009: 2.097). Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) schätzt das Spendenvolumen 2009 allein für soziale Zwecke auf 2,4 Mrd. EUR, das insgesamte Volumen auf 3 bis 5 Mrd. EUR jährlich. Das Marktforschungsinstitut TNSinfratest konstatiert in seinem jährlichen Spendenmonitor, dass 2009 insgesamt Geldspenden in Höhe von 2,9 Mrd. getätigt wurden. Für das 2010 wird ein Anstieg des Spendenvolumens erwartet, unter anderem aufgrund des Erdbebens in Haiti, dass Anfang des Jahres für einen Schub an Geldzuwendungen sorgte.
Noch bedeutender als Geldspenden sind in Deutschland Zeitspenden. Das Volumen der bewerteten Zeitspenden umfasst mit 53,6 Milliarden Euro etwa ein Fünftel des Bundeshaushalts.
Auch auf die Frage, wie viele Organisationen in Deutschland überhaupt Spenden sammeln, gibt es keine exakten Zahlen. Derzeit gibt es über 640.000 gemeinnützige Vereine in Deutschland und noch einmal rund 15.000 gemeinnützige Stiftungen, davon 13.000 nicht kirchliche. Wie viele von diesen Spenden sammeln lässt sich nicht nachvollziehen.
Und wer bekommt das Geld?
Das lässt sich nur schätzen. Einen guten Anhaltspunkt liefern die Daten für die DZI-Spenden-Siegel-Organisationen in ihrem jährlichen Spenden-Almanach. Während die 30 größten Organisationen in 2007 knapp 920 Mio. EUR Geldspenden erhalten haben, bekommen alle 253 hier erfassten Organisationen mit gut 1,1 Mrd. EUR nur etwa 200 Mio. EUR mehr. Berücksichtigt man nun, dass diese 253 Organisationen zusammen nur etwa ein Drittel der gesamten - wohlgemerkt geschätzten! -Spendengelder erhalten, da dies ja nur die bei DZI gelisteten Organisationen sind, kommt man unweigerlich zu der These, dass der große Rest des Spendenmarktvolumens in kleinsten Portionen an sehr, sehr viele kleine Organisationen geht – den so genannten „Long Tail“ am Spendenmarkt.
Gerade Spendenplattformen wie Spenden.De, betterplace, helpedia, RESET oder helpdirect tragen ihren Teil dazu bei, den Austausch zwischen Spendern und (Klein-)Projekten zu fördern und die Bekanntheit auch kleiner Organisationen zu erweitern.
Wer spendet Geld an gemeinnützige Organisationen?
Dieser Frage geht eine Studie des »Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung« von Eckhard Priller und Jana Sommerfeld nach. Eines der Ergebnisse: Untere Einkommensgruppen geben prozentual mehr von ihren Einkommen ab als obere Einkommensgruppen. Festgestestellt wurde auch, dass Bürger, die in Vereinen oder Verbänden engagiert sind, häufiger und mehr spenden als nicht engagierte Bürger. In Deutschland wird also nicht hauptsächlich deshalb gespendet, um ein fehlendes persönliches Engagement (»Zeitspende«) zu kompensieren, wie oft angenommen wird. Sondern ist es eher so, dass wer sowieso schon Zeit in die Gemeinschaft investiert, der ist auch finanziell großzügiger!
Nicht verwunderlich ist, dass höher Gebildete und Erwerbstätige häufiger Spenden. Die höchste Spendenbeteiligung ist bei den Rentnern und Hausfrauen zu finden.
Transparenz im Spendenmarkt
Fast alle Organisationen werben um Spenden, doch nicht alle arbeiten seriös. Auch gibt es keine staatliche Aufsicht für Sammlungen und in einigen Bundesländern können Spenden sehr formlos erfolgen. Der Spendenwillige muss also einen großen Vertrauensvorschuss vergeben. Initiativen, die bemüht sind, Transparenz in das deutsche Spendengeschehen zu bringen, gibt es einige, z.B. den Deutschen Spendenrat, Deutscher Fundraisingverband, VENRO, Transparency International, Spendensiegel DZI, Guidestar International, PWC oder Phineo. Mehr dazu findest Du auch in unserem Handeln-Artikel Spenden - aber richtig!
Dennoch kann nicht davon gesprochen werden, dass das Spendenwesen in irgendeiner Art und Weise übersichtlich oder klar strukturiert ist. Keine der bestehenden Initiativen besitzt aktuell das Potential, eine flächendeckende Transparenz im über 500.000 Organisationen zählenden 3. Sektor erfolgreich zu fördern. Gründe dafür könnten sein, dass sie alle nicht unabhängig und dadurch wenig glaubwürdig und dass sie zu exklusiv konzipiert sind, d.h. immer nur einen bestimmten Bereich abdecken können.
RESET hat den Anspruch, seine Projekte so transparent wie möglich darzustellen und leitet die Spendengelder zu 100% an die Projekte weiter. Mehr dazu findest Du hier.
Und wo spendest Du?

Aufgrund der mangelnden Transparenz im Spendenwesen ist es umso wichtiger, unseriöse von seriösen Organisationen unterscheiden zu können. Worauf kann man achten und welche Informationen sollte man sich vorher einholen? Hilfreiche Tipps dazu findest Du in unserem Artikel Spenden – aber richtig!
Auch bei RESET kannst Du spenden: RESET empfiehlt nach sorgfältiger Recherche und Bewertung Projekte, an die Du direkt online Geld spenden kannst. Damit kannst Du zur Reduzierung des Klimawandels und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Problemregionen beitragen.
Quellen und Links
- World Giving Index der Charities Aid Foundation
- Studie: Geben macht glücklich : Neue Erkenntnisse zum Thema Spenden / Eckhard Priller [Interviewte/r] ; Rupert Graf Strachwitz [Interviewte/r] ; Kerstin Schneider [Interviewer/in]
- online-fundraisíng.org
- Spenden.De ist ein gemeinnütziges Projekt, welches die Transparenz im gemeinnützigen Sektor fördern möchte. Ziel ist es Spender/innen in die Lage zu versetzen, bessere Entscheidungen zu treffen.
- Deutsches Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI): Das DZI veröffentlicht auch den alljährlichen Spenden-Allmanach, Statistiken und Fakten zum Spenden
Indra Jungblut, RESET-Redaktion (2011)

