Mangelware Wasser

Wasser wird einerseits verschwendet und ist gleichzeitig extrem ungerecht verteilt. Während wir im Durchschnitt 127 Liter sauberes reinstes Trinkwasser pro Tag für das Waschen, Putzen und Kochen verbrauchen, haben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation mehr als eine Milliarde Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Wasser. Wassermangel betrifft vor allem die Ärmsten – noch. Denn die Wasservorräte sind auch dort bedroht, wo Wasser zurzeit scheinbar noch im Überfluss zur Verfügung steht.
Wasser bedeckt zu 71 % unseren Planeten. 97 % davon ist Salzwasser. Nur 1% der Wasservorräte weltweit ist direkt als Trinkwasser verfügbar und extrem ungleich verteilt. Während die einen vor den Fluten fliehen, ringen die anderen um wenige Tropfen des kostbaren Nass. Bereits mit fünf Minuten duschen verbrauchen wir mehr Wasser, als vielen Menschen an einem ganzen Tag zur Verfügung steht. Wassermangel ist bereits heute für einen von sechs Menschen bittere Realität. Wassermangel betrifft vor allem die Ärmsten – noch. Denn die Wasservorräte sind auch dort bedroht, wo Wasser zurzeit scheinbar noch im Überfluss zur Verfügung steht
Wasser ist Lebensmittel Nummer Eins. Ohne Wasser existiert keine Landwirtschaft, keine Industrie, kein Leben. Vier Tage kann ein Mensch ohne Wasser überleben. Während Wasser in den Industrieländern ganz selbstverständlich jederzeit in beliebiger Menge und guter Qualität aus dem Hahn kommt, haben mehr als eine Milliarde Menschen nach Angaben der WHO und UNICEF keinen Zugang zu sauberem Wasser. Mehr als doppelt so viele Menschen (2,6 Milliarden Menschen) haben keine Möglichkeit, sanitäre Einrichtungen wie Toiletten zu benutzen. Umstände, die das Vorstellungsvermögen sprengen. Die Menschheit leidet unter zunehmender Wasserknappheit, während der Wasserverbrauch steigt.
Hintergrund: 20 Liter Wasser pro Tag gelten international als ausreichende Menge Wasser. Der durchschnittliche Wasserverbrauch in Europa und den USA reicht von 200-400 Litern pro Tag.
Wasser - Bald aus? - Wo das Wasser knapp ist
Vom Trinkwassermangel sind vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer betroffen.

Satellitenbild des Tschadsees 1973 (links), 1987 (mitte) und 1997 (rechts ) sowie 2001 (unten)/Wikipedia
Qualitativ und quantitativ sind die Wasservorkommen vor allem im Nahen Osten und Nordafrika, Zentralasien und Teilen von Australien bereits heute an einem kritischen Punkt angekommen. In Spanien entsteht die erste Wüste Europas, viele Seen –darunter der Aralsee- und Flüsse trocknen aus. Eine massive Zunahme der Wasserprobleme erwarten Experten in Zukunft außerdem im südlichen Afrika, in Pakistan sowie in China und in Indien. Im Jahr 2025 werden 1800 Millionen Menschen nach Angaben der FAO in Ländern oder gar Regionen mit absolutem Wassermangel leben.
Wasser ist knapp – Warum?

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Infrastruktur wie Brunnen oder Wasserzisternen fehlen vor allem in Entwicklungsländern (wie in der Region Sub-Sahara Afrika), weswegen Investitionen in Infrastrukturprojekte unerlässlich sind, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. In vielen Regionen ist die Wasserproblematik aber nicht mehr nur ausschließlich eine Frage der Infrastruktur. Jetzt in ein RESET-Wasserprojekt investieren: Trinkwasser für Indien - Viva con Agua.
Warum Wasser immer knapper wird, lässt sich auf mehrere Faktoren gleichzeitig zurückführen:
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Übernutzung der Wasserressourcen
Wasser füllt Ozeane, Seen, Flüsse aber auch Swimmingpools, Bewässerungsanlagen für Golfplätze; Wasser wird für die Bewässerung von Erdbeeren in Südspanien verwendet. Die Übernutzung der Wasserressourcen ist mit Abstand die größte Gefahr für die weltweite Wasserversorgung und die treibende Kraft der globalen Wasserkrise. Ähnlich wie beim Peak-Öl haben wir nach Meinung von Peter Gleick, dem Präsidenten des renommierten Pacific Institute in den USA, die Situation des Peak-Wassers erreicht. Der Natur wird also mehr Wasser entnommen, als sie wieder bereitstellen kann und das natürliche Wiederaufbereitungssystem an seine Grenzen gebracht (mehr dazu in dem kürzlich erschienen Report "The World's Water" des Pacific Insitute. Ein Interview mit Peter Gleick über die Wassersituation gibt es hier zu sehen.
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Bevölkerungswachstum
Faktoren wie das stetig steigende Bevölkerungswachstum sind Trends, die den Wasserkonsum nach oben treiben. Um rund 80 Millionen Menschen wächst die Weltbevölkerung laut Schätzungen der Vereinten Nationen jährlich und mit diesen Menschen der Durst (die UNESCO geht von einer zusätzlichen Wassernachfrage von 64 Milliarden m3 pro Jahr aus). Laut UNEP wird alleine Indien aufgrund seines Bevölkerungswachstums im Jahr 2050 rund 30 % mehr Wasser benötigen als heute. Insgesamt ist der Wasserverbrauch nach Berechnungen der FAO zweimal so stark gestiegen, wie die Bevölkerung gewachsen ist. Mit dem Bevölkerungswachstum steigen aber vor allem der Bedarf an Nahrungsmitteln und damit auch der Bedarf an Wasser. Die Landwirtschaft ist nach Angaben des World Water Assessment Programme (WWAP) mit einem Verbrauch von bis zu 75% der Wasservorräte mit Abstand weltweiter Spitzenreiter im Wasserverbrauch. Die „Produktion“ von Fleisch gehört mit 16.000 Litern pro Kilo zu den wasserintensivsten Produkten. (20%t des Wasserverbrauchs entfällt auf den gewerblichen und den industriellen Bereich. Der Rest von ca. 5% des Wasserverbrauchs entfällt auf die privaten Haushalte.)
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Die globale Erwärmung
Die globale Erwärmung wirkt sich auf den Wasserkreislauf aus. Sie lässt nicht nur die Regenzeit in manchen Regionen ungewöhnlich stark ausfallen, sondern auch die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden. Experten rechnen mit bis zu 30 % weniger Regen in ohnehin schon trockenen Regionen wie Südafrika oder Teilen von Brasilien. Zunehmende Ernteausfälle sind die Folge. 24 bis 700 Millionen Menschen werden in Zukunft zu Flüchtlingen aufgrund von Wasserarmut (umgekehrt werden 47% der Weltbevölkerung in Regionen mit Hochwasserproblemen leben). Laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change hat sich der Anteil der Regionen, der als „sehr trocken“ klassifiziert wird, seit den 70`er Jahren mehr als verdoppelt.
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Wasserverschmutzung
Die globale Wasserkrise ist nach Meinung von Experten vor allem eine Abwasserkrise. Eines der größten Probleme ergebe sich danach aus der Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen. Das führe zu Umweltschäden, die irreversibel sind und die ohnehin schon knapper werdenden Trinkwasservorräte dezimieren. Im Norden Chinas wurden durch jahrzehntelanges unkontrolliertes industrielles Wachstum die Flüssen und Seen derart verschmutzt, dass heute über 200 Millionen Chinesen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser leben. Laut Angaben der chinesischen Regierung und der Weltbank sind mehr als 54 % des Wassers in den großen chinesischen Flüssen kontaminiert. Über 90 % des Abwassers und 70 % des Industrieabfalls in Entwicklungsländern werden direkt in Gewässer geleitet und kontaminieren die Trinkwasserreservoirs. Aber auch ins Mittelmeer, eines der am stärksten belasteten Meere weltweit, fließen jährlich zwei Millionen Tonnen Öl, 800.000 Tonnen Nitrate und 60.000 Tonnen Waschmittel (mehr dazu beim Institut für Verfahrenstechnik, Universität Bremen)
Wassermangel – Die Auswirkungen

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Wassermangel macht krank
Unsauberes Wasser und fehlende sanitäre Einrichtungen wie Toiletten verursachen und verbreiten Krankheiten und sind ein extrem hohes Gesundheitsrisiko. Millionen Menschen sterben jährlich aufgrund von vermeidbaren Krankheiten, die durch unsauberes Wasser entstehen, darunter fünf Millionen Kinder. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 88 % aller Erkrankungen auf verschmutztes Wasser zurück zu führen. Wassermangel macht arm Wassermangel beeinträchtigt gar die Existenz von Staaten und Gesellschaften. Denn Wassermangel bedroht die menschliche Entwicklung. Vor allem Frauen und Kinder verbringen aufgrund fehlender Infrastruktur mehrere Stunden täglich mit der Beschaffung von Wasser. Zeit, die letztendlich für Hausaufgaben, den Schulbesuch oder zum Geld verdienen fehlt.
Wassermangel macht Hunger
Eine Wasserkatastrophe wird schnell zur Hungerkatastrophe. Denn die Land- und Viehwirtschaft ist direkt vom Wasser abhängig (vgl. oben).
Konflikte um Wasser?
Bisher sind Konflikte um Wasser weitestgehend noch Zukunftsszenarien. Zu politischen Disputen und lokalen Konflikten innerhalb und zwischen Staaten führt Wassermangel in einigen Regionen aber bereits heute. Wasser wird zum Wirtschaftgut und immer knapper – bei steigendem Bedarf. Experten befürchten, dass Wasser in Zukunft aufgrund ungeklärter Nutzungsrechte zunehmend zur Konfliktressource werden wird. Laut UNO gibt es 263 „internationale Wasservorkommen“, das heißt grenzübergreifende Wasservorkommen (Flüsse, Seen oder Grundwasservorkommen), deren Nutzungsrechte ungeklärt sind, die aber ca. 60 % der internationalen Wasserreserven ausmachen.
Wasser ist ein Schlüssel für Nachhaltige Entwicklung

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Der Zugang zu Wasser ist essentiell für Nachhaltige Entwicklung und Teil der Millenniumserklärung der UN-Generalversammlung (Erfahre mehr zu den MDG im RESET-Wissensbeitrag „Die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG)“. Ziel der internationalen Gemeinschaft ist es, die Anzahl Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Investitionen in Wasser begünstigen die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Der Nutzen von Wasser lässt sich sogar monetär ausdrücken. Nach einer Kosten-Nutzen Analyse der WHO kann jeder US Dollar, der in die Wasserversorgung investiert wird, abhängig von der Region einen wirtschaftlichen Nutzen von 4 bis zu 34 US Dollar erzeugen.
Wassermangel – Was hat das mit mir zu tun?
Obgleich die direkte Verbindung zu den weltweiten Wasserkrisen nicht direkt ersichtlich ist, gibt es sie. Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder die Niederlande sind nicht nur in hohem Maße von den globalen Wasserreserven abhängig, sie verstärken den Wassernotstand in den ohnehin schon trockenen Regionen durch den Import wasserintensiver Produkte wie Kaffee, Tee und Kakao. Mehr zum Konzept „Virtuelles Wasser“ beim Water Footprint Network (Die Studie „Unsichtbare Wasserlast in Lebensmitteln und Industriegütern“ zum Download) Am Ende der Kette stehen wir als Verbraucher. So ist der akute Wassermangel schon längst nicht mehr nur das Problem weniger Regionen, sondern auch das Problem von mehr als 500 Millionen Europäern. Erfahre mehr zu Deinem Wasserverbrauch im RESET-Artikel „Dein täglicher Wasserverbrauch: Der Wasser-Fußabdruck“.
Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist möglich

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Die globale Wasserkrise zählt zu den großen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Bis zum Jahr 2015 soll die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung halbiert werden – so heißt es in den MDG (Erfahre mehr zu den MDG im RESET-Wissensbeitrag „Die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG)“ . Moderne Techniken für die Förderung und Bewässerung können helfen die kostbare Ressource zu schonen. In Usbekistan gehen durch unwirtschaftliche Baumwollbewässerung rund 70 % des Wassers verloren. Nicht selten versickern und verdampfen 50 % gewonnenen Frischwassers in maroden Leitungen oder verdunstet zum Großteil direkt bei der Bewässerung der Felder. Techniken zur Wassergewinnung wie die Meerwasserentsalzung sind teuer und energieaufwendig. Lediglich 0,5 % des weltweit verbrauchten Süßwassers stammt bisher aus Entsalzungsanlagen. Sie lohnen sich oft nur in Ländern in denen Energie günstig und der Bedarf groß ist.
Lösung der globalen Wasserkrise
Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist nötig und möglich. Das langfristige Ziel internationaler Initiativen ist es, Zugang zu Wasser zu schaffen und gleichzeitig ein effizientes Ressourcenmanagement zur Seite zu stellen, um die Wasserkrise zu bekämpfen. Mit dem "Integrierten Wasser Ressourcen Management" (IWRM) wollen Staaten gewährleisten, dass oberirdische Gewässer, Grundwasserleiter und Küstengewässer nachhaltig bewirtschaftet und damit schonend genutzt werden. Mehr Informationen zum IWRM beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. Langfristig ist eine andere, wassersparende Agrarpolitik notwendig und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen eine der großen internationalen Herausforderungen.
Links und Literatur rund um das Thema Wasser
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BMZ, Themenschwerpunkt Wasser.
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BMZ, Wasser – Schlüssel zur Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele.
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Deutsche Welle World, Wasser Spezial "Wasser - glasklar?".
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Geyer, Robby/Gorsboth, Maike (2006), Wasser - für alle!?.
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UNDP (2006) International Water Management Institute (IWMI) (2008), Interview mit Tom Chartres zum Thema Wassermangel, dem Direktor des International Water Management Institute.
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UNESCO (2009), New report highlights crucial role of water in development.
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United Nations (2006), UN World Water Development Report: 'Water, a shared responsibility'.
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World Health Organization (2009), 10 facts about water scarcity.
Rima Hanano, RESET-Redaktion (2010)



