Der demografische Wandel

In Deutschland werden künftig weniger Menschen leben, und sie werden im Schnitt älter sein als heute. Der Anteil der über 60-Jährigen wird sich von heute rd. 25 % auf rd. 39 % im Jahr 2050 erhöhen. Bereits im Jahr 2020 werden über 40% aller Arbeitnehmer älter als 50 Jahre alt sein. Auch der Trend zu Ein- und Zwei-Personen-Haushalten setzt sich fort. In den Großstädten liegt der Anteil der Ein-Personen-Haushalte bereits heute vielfach bei über 50%.
In den westlichen Flächenländern sinkt die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2007 bis 2020 voraussichtlich von 2,13 auf 2,02 Personen je Haushalt, in den neuen Ländern von 2,00 auf 1,90 und in den Stadtstaaten von 1,80 auf 1,72.
Senioren könnten Kinder und Jugendliche begleiten

Der demografische Wandel wird die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zunehmend prägen. Dabei werden die Veränderungen regional allerdings sehr unterschiedlich verlaufen. Neben schrumpfenden wird es auch in Zukunft wachsende Gemeinden und Regionen geben. Durch den Fortzug vieler Jüngerer und den markanten Geburteneinbruch nach der Einigung Deutschlands wird sich die Alterung der Bevölkerung in den ländlichen Räumen der neuen Bundesländer besonders ausprägen. Aber auch in den alten Bundesländern gibt es Regionen mit stark alternder und zurückgehender Bevölkerung.
...ihnen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Seite stehen...
Daneben sind Familien bereits heute kleiner und vielfältiger; diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Die Netze der alltäglichen Unterstützung innerhalb der Familien verändern sich, die Bedingungen, unter denen sie aufrechterhalten werden können, werden schwieriger. Gleiches gilt für verlässliche Nachbarschaften oder Gemeindestrukturen. Damit verringern sich vielerorts alltägliche Gelegenheiten zu Begegnung und Kommunikation zwischen den Generationen.
...und Familien unterstützen
Aufgrund der angeblichen "Vergreisung" der Gesellschaft stellen ältere Menschen einen stetig wachsenden Teil der Gesellschaft. Oben an der Altersleiter gibt es ähnliche Probleme wie ganz unten, bei den Neugeborenen bzw. Kleinkindern. Wer beschäftigt sie, kümmert sich um sie, versorgt sie?

Erfahrungen Älterer nutzen
Die Fähigkeiten älterer Bürgerinnen und Bürger bieten der Gesellschaft zahlreiche Chancen. Senioren könnten zum Beispiel Kinder und Jugendliche betreuen und begleiten. Ihnen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Seite stehen oder Familien unterstützen. Ehrenamtliches Engagement muss somit mehr gefördert werden, nicht nur finanziell, durch höhere Aufwandsentschädigungen und weitere Zuschüsse, sondern auch mittels Fortbildungen und professioneller Begleitung.
In Bezug auf ehrenamtliches Engagement im Umweltbereich sollte der Trend gestoppt werden, Ehrenamtliche als Ersatz für staatliche Leistungen einzuplanen, fordert ein Bündnis. Die Bürgerbeteiligung, zum Beispiel in der Landschaftsplanung, sei zu verbessern. Als zukunftsweisende Einrichtungen werden die so genannten Seniorenbüros vorgestellt. Bundesweit gibt es bereits mehr als 250 solcher Vermittlungsstellen. Sie bieten Senioren Möglichkeiten zum freiwilligen Engagement und helfen so „eine aktive Politik nicht für, sondern mit älteren Menschen“ zu gestalten. Wer will, soll länger arbeiten dürfen, statt mit 65/67 in Rente zu gehen. Sinnvoll sei auch eine verstärkte „Förderung der Gesundheit der Beschäftigten zum Erhalt einer langfristigen Beschäftigungsfähigkeit“.
Demografischer Wandel – Chancen für stärkeren sozialen Zusammenhalt?
Es ist ein alter Schuh, die Panikmache mit dem demografischen Wandel. Doch ist dieser Trend natürlich zu begrüßen, wenn er Motivation für dingend notwendige gesellschaftliche (Weiter-)Entwicklungen ist. Denn: Hinter dem angeblichen aktuellen gravierenden Geburtengrückgang versteckt sich die fehlende Gleichberechtigung der Frau. Würden sich Mann und Frau abgesehen von der Gebär- und Stillfähigkeit ausgewogen um die Kindererziehung kümmern können, würden Betriebe all ihren Angestellten ermöglichen, für die Kindererziehung ggf am Arbeitsplatz zur Verfügung zu stehen, wären Frau und Mann im Job gleichberechtigt und die Frau nicht chronisch unterbezahlt, was ihr im schlechtesten Fall (der leider nur zu oft die Regel ist) ein Elterngeld von 300 € einbringt, usw. undsofort, gäbe es - möglicherweise - mehr Geburten.Vor diesem Hintergrund ist das Engagement der einzelnen Bürgerinnen und Bürger für den Zusammenhalt von Gemeinschaft und Gesellschaft wichtiger denn je.
Es verbindet Menschen im gemeinsamen Tun, begründet gegenseitiges Verständnis und fördert die Integration. Außerdem gibt das Engagement Menschen die Möglichkeit, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu entwickeln und einzubringen.
Quellen und Links
Quellen:
- Wie wollen wir morgen leben? Berlin, Oktober 2008Stimmen der Öffentlichkeit aus den Konsultationen zum Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie
- Fortschrittsbericht der Bundesregierung 2008
- DER SPIEGEL 22/1978 vom 29.05.1978, Seite 80: Geburtenzahl: Republik der Greise?
- Demographischer Wandel: Schluss mit dem Drama! Von Björn Schwentker/ Zeit Online 22.8.2008
Weiterführende Links:
- Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel
- Demobib - das Informationsportal der TBS NRW für Unternehmen, Betriebsräte und Beschäftigte
- Forum Demografie
- Demografischer Wandel - Ministerium f. Arbeit NRW
- Goethe-Institut zum demografischen Wandel
- Fortschrittsbericht 2008 "Für ein nachhaltiges Deutschland"
- Nachhaltige Entwicklung – eine Aufgabe für alle - Dokumentation zu den Konsultationen
- Die Bevölkerung in der EU wird älter. Mit welchen Auswirkungen müssen wir rechnen und was sollten wir tun?
- Im Land der Muttis (ZEIT)
- Der Preis des Glücks (ZEIT)
- Was der Mann nicht kann (ZEIT)
- Die Bertelsmann-Stiftung zum demografischen Wandel

