"It’s our time to learn from each other" - Stimmen vom Weltsozialforum in Dakar
Geschrieben von Helge,
Vor wenigen Tagen ging das Weltsozialforum in Dakar, Senegal, zu Ende. Wir dokumentieren einige Stimmen vom Treffen der Bewegung für eine gerechte Globalisierung.
Das Weltsozialforum (WSF) gibt es seit 2001 und hat sich zu einem der wichtigsten Orte des Austauschs, der Vernetzung und Diskussion der weltweiten Bewegung für eine gerechte Globalisierung entwickelt. Dieses Jahr fand es mit 60.000 Teilnehmern aus weltweiten Basisinitiativen, Bewegungen und NGOs zum ersten Mal in Afrika statt.
Schon vor der Eröffnung zog eine Karawane europäischer und afrikanischer Aktivisten von Bamako nach Dakar, um auf die Situation afrikanischer Flüchtlinge aufmerksam zu machen, die vergeblich versuchen, in die EU einzureisen. Migration war zwar ein wichtiges Thema, aber auf dem WSF ging es noch um vieles mehr.
Sven Giegold berichtet für die Heinrich Böll Stiftung über die Vielzahl der Themen auf dem WSF:
"Landraub ("land grabbing") durch den immer schärferen Druck auf das knapper werdende landwirtschaftlich nutzbare Land für die Bedürfnisse der globalen Konsumentenklasse. Der Schutz lokalen Saatguts und lokaler Produktion vor Kontrolle der Multis und Agrarsubventionen wurden eingefordert. Überfischung ("sea grabbing") durch die industriellen Fischfangflotten auf Kosten der familiären Fischereibetriebe. Besonders sichtbar waren überall auf dem Forum die starken Frauenbewegungen in Afrika, sowohl in Bezug auf Landrechte, die Fischerei und die Beteiligung von Frauen an Konfliktlösung in Afrika. Schließlich war die Festung Europa mit seinem menschenverachtenden "Grenzschutzregime". Immer wieder wurden die Teilnehmer_innen aus Europa gefragt, auch von Studierenden aus dem Senegal: Wie kann es sein, dass Ihr ohne Visum hierherkommen könnt und wir nicht einmal die Chance auf ein Visum haben?"
Beat Dischy beschreibt für alliancesud die internationale Vernetzung lokaler Initiativen:
"Auch das Maß an Selbstkritik ist beachtlich: Nicht einfach die andern sind schuld, etwa die (zweifellos vorhandenen) Multinationalen, welche landwirtschaftliche Böden sich sichern. Auch die einheimischen Landlords und das Versagen der Regierung, ja die eigenen Fehler, werden benannt. Das Forum ist noch stärker eine Plattform für Lernen im Austausch, in Begegnung geworden, eine Experimentier-Werkstatt, in der Allianzen geschmiedet werden. So haben sich beispielsweise Gruppierungen, die gegen die desaströsen Folgen von Bergbau im Kongo, in Peru und Mexiko angehen, zusammengefunden. Ihr ambitiöses Ziel: die Raubbauwirtschaft überwinden."
TerraViva, ein Online-Magazin direkt aus Dakar, versammelt in einem Abschlussbericht noch weitere Statements von teilnehmenden Aktivisten, darunter auch das titelgebende. Videos vom Weltsozialforum gibt es bei WSF-TV und Fotos bei flickr.