Fischbestände schützen!

Um die Fischbestände ist es schlecht bestellt: Die weltweite Nachfrage nach Fisch ist in den vergangenen Jahren explodiert, während die Fischbestände in den Weltmeeren dramatisch weiter schrumpfen. Über 80 Prozent der Bestände, darunter die verschiedenen Thunfischarten, Rotbarsch, Scholle oder Nordseekabeljau, gelten nach Schätzungen der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) trotz internationaler Regelungen und Fangquoten als überfischt. Welcher Fisch darf denn überhaupt noch auf den Tisch?
Es ist heute kein Geheimnis mehr, dass die Fischbestände in allen Weltmeeren bedroht sind. Trotzdem werden sie ohne Unterlass in verantwortungsloser Weise dezimiert. Aber – woher soll der Verbraucher wissen, welche Fische er bedenkenlos kaufen kann und welche er lieber nicht mit nach Hause nimmt, damit die sinkende Nachfrage die Fischerei auf diese Arten zurückgehen lässt?
Wer dem Sterben in den Ozeanen ein Ende setzen will, der sollte sich nicht auf den politischen Willen der Regierungen verlassen, sondern wissen, dass es sich bei der Schillerlocke um den bedrohten Dornhai handelt und dass einige Fischarten wie Schwertfisch, Seeteufel oder Kabeljau/Dorsch definitive No-Gos auf dem Teller und der Speisekarte sind.
Ob Fische No-Gos sind ist aber nicht nur abhängig von der Fischart, sondern auch vom Fanggebiet bzw. Zuchtgebiet und der Zuchtmethode bzw. Fangmethode.
Siegel für nachhaltige Fischprodukte
Die Siegel für nachhaltige Fischprodukte sollen den Fischliebhabern ihre nachhaltige Fischwahl erleichtern. Jedes Siegel unterliegt dabei ganz unterschiedlichen Standards. Diese sollen unter anderem gewährleisten, dass der Fisch bzw. die Meeresfrüchte aus einer nachhaltigen Fischerei oder Aquakultur kommen und die vollständige Rückverfolgbarkeit der Produkte garantieren.
Das MSC-Siegel
Das Siegel des Marine Stewardship Council (MSC-Siegel) ist das verbreitetste Siegel im Bereich der nachhaltigen Fischerei. Die Organisation Marine Stewardship Council wurde 1997 von der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet.
Standards sind unter anderem:
- Die Fischer dürfen nur so viel Fisch entnehmen, wie nachwachsen kann.
- Die angewendeten Fangmethoden dürfen den Lebensraum Meer nicht schädigen.
- Der Fang von zu kleinen und anderen als den gewünschten Fischen, dem sog. Beifang (Schildkröten, Delfinen oder Haien), muss möglichst gering sein.
Mehr Informationen zu den MSC-Standards.

Naturland: Ökologische Aquakultur
Naturland vergibt ein Siegel für ökologische Aquakultur, das unter anderem gewährleistet, dass:
- Betriebe nur Fischmehl und -öl verwenden, das aus der Verarbeitung von Speisefischen stammt, und
- umliegende Ökosysteme geschützt werden.
Mehr Informationen zu Naturland.
Nach Meinung von Greenpeace gibt es derzeit kein Siegel für nachhaltige Fischprodukte, das uneingeschränkt zu empfehlen ist. Daher empfiehlt Greenpeace in seinem Fischeinkaufsratgeber nur in Ausnahmefällen MSC-Produkte.
Welcher Fisch darf auf den Tisch?
Völlig unbedenklich ist nach Meinung von Greenpeace der Verzehr folgender Fische :
- Karpfen
- Pangasius aus Öko-Aquakultur aus Vietnam mit Verzicht auf Futtermittel-Fischerei (Naturlandzertif.)
- Regenbogen-/Bachforelle: Öko-Aquakultur der Regenbogenforelle (O. mykiss) an Land mit spezieller Vorsorge zur Vermeidung von Ausbrüchen (z.T. Naturland-zertif.), Öko-AK der heimischen Bachforelle (S. trutta fario) (z.T. Naturland-zertif.)
- Hering, der nicht aus den folgenden Regionen stammt: gef. im Nordostatlantik – Nordsee, Östl. Ärmelkanal, Skagerrak/Kattegat (Herbstlaicher), Island (Sommerlaicher), Irische und Keltische See, Westl. Ostsee, gef. Nordostatlantik – Zentrale und Nördl. Ostsee – mit Stellnetzen
- Heilbutt, Pazif. Heilbutt (H. stenolepis), gef. im Nordpazifik – British Columbia und Golf von Alaska – mit Langleinen (MSC-zertif.)
- Kabeljau, Atl. Kabeljau (G. morhua), gef. Im Nordostatlantik – Barentssee, Norwegische See, Island, Östl. Ostsee – mit Wadennetzen, Handleinen Pazif. Kabeljau (G. macrocephalus), gef. im Nordostpazifik – Beringsee, Alaska, Aleuten – mit Langleinen, Angel- Fischerei, Fallen
- Makrele, die nicht aus den folgenden Regionen stammt: gef. im Nordostatlantik – Skagerrak/Kattegat, Nordsee – ganzjähriges Fangverbot des ICES (Internationaler Rat für Meeresforschung), gef. im Nordostatlantik – Island –hohe illegale Fischerei
- Sardine, die nicht aus den folgenden Regionen stammt: Nordostatlantik: Biscaya, portugiesische Küste, Irische und Keltische See, Südostatlantik: Westafrika, Mittelmeer: Ägäis, Nördliche Adria, südlich von Sizilien, Golf von Lion.
- Zander, der nicht aus den folgenden Regionen stammt: Nordostatlantik Estland: Baltisches Archipel – schlechter Bestandszustand
- Lachs, der im Golf von Alaska gefischt wird (Pazif. Lachs (Oncorhynchus ssp.), gef. im Nordostpazifik – Golf von Alaska (z.T. MSC-zertif.))
- Skipjack-Thunfisch (gefangen im West- und Ostatlantik, West- und Zentralpazifik sowie im Indischen Ozean)
- Weiße Thun (gefangen im Südpazifik)
- Schwertfisch aus dem Westatlantik oder Ostpazifik (USA, Kanada)
„Als nachhaltige Fischerei gilt für Greenpeace grundsätzlich: Sie hält den Bestand der Zielart auf einem gesunden Niveau, ohne andere Arten des Ökosystems negativ zu beeinflussen. Andere Arten werden weder getötet noch wird ihre Nahrungsquelle oder ihr Lebensraum zerstört.“
Da sich niemand diese Informationsflut so einfach merken kann, gibt es die Fisch-Ratgeber vom WWF und von Greenpeace (Taschenformat) als Download und sogar als iPhone-App:
Der Einkaufsratgeber Fische & Meeresfrüchte vom WWF im Brieftaschenformat zum Download (pdf).
Der Greenpeace-Fischratgeber (November 2010) zum Download (pdf).
Der Greenpeace-Fischratgeber als iPhone-App.
RESET empfiehlt, bewusster und seltener zu Fisch zu greifen und die absoluten No-Gos zu beachten.

